Als mein Mann erfuhr, dass ich schwanger war, erklärte er, er würde mich aus dem Haus werfen, falls es ein Mädchen würde. Zuerst dachte ich, er mache Witze — wie könnte man seine Frau und sein Kind wegen des Geschlechts im Stich lassen? Bei der Ultraschalluntersuchung flehte ich den Arzt an, mir das Geschlecht nicht zu verraten, in der Hoffnung, er würde seine Meinung ändern. Er liebt mich doch?

Am Tag der Geburt fuhr er mich schweigend ins Krankenhaus, ohne mich zu küssen. Die Wehen waren lang und schmerzhaft, die Lampen blendeten mich, ich verstand kaum etwas… bis ich den ersten Schrei hörte: ein Mädchen.

Die Krankenschwester lächelte:
— Herzlichen Glückwunsch, Sie haben eine gesunde Tochter.
Doch in meinem Kopf herrschte nur eines: Er wird uns hinauswerfen. Er hat es ernst gemeint.
Einige Stunden später betrat er das Zimmer. Ich drückte unsere Tochter an mich und flüsterte, ohne ihn anzusehen:
— Es ist ein Mädchen. Wenn du gehen willst, geh. Wir schaffen das schon.
Er schwieg und stand nur da, sah uns an. Dann zog er langsam einen Briefumschlag aus der Innentasche.
— Du irrst dich, — sagte er leise. — Ich wollte dich nicht hinauswerfen. Das war… ein Test.
Ich starrte entsetzt auf den Umschlag auf dem Tisch. Darin lag ein Grundbuchauszug auf meinen Namen und ein Brief:

„Wenn du das hier liest, heißt das, du hast dich trotz allem für dein Kind entschieden. Ich habe mich nicht in dir geirrt. Verzeih mir den Schmerz. Jetzt liegt es an dir, zu entscheiden, ob ich weiterhin Teil eures Lebens sein darf.“
Ich schwieg lange, dann antwortete ich schlicht:
— Du hast eine Chance. Nur eine. Nicht für mich, für sie. Zeig ihr, dass du es verdienst, ihr Vater zu sein.







