Wegen hohem Fieber ging das Mädchen nicht zur Schule. Gegen Mittag öffnete jemand die Tür mit seinem eigenen Schlüssel, legte etwas in den Mantel ihrer Mutter und ging wieder. Das Mädchen durchsuchte die Taschen — und was sie darin fand, versetzte sie in Schock.

LEBENSGESCHICHTEN

Ein zwölfjähriges Mädchen wachte eines Morgens auf und beschloss, heute nicht zur Schule zu gehen. Dafür log es seine Mutter an: Es habe Fieber, Schwindel und ein Gefühl, als ob etwas auf dem Bauch drücke. Die Mutter, die die hohen Zahlen auf dem Thermometer sah, wurde besorgt, strich der Tochter übers Haar und erlaubte ihr, zu Hause zu bleiben, bevor sie zur Arbeit fuhr.

Kaum hatte sich die Haustür geschlossen, sprang das „kranke“ Mädchen auf: sie hatte das Thermometer heimlich an der Heizung erwärmt, stellte es zurück und schaltete ihre Lieblingsserien an. Der Tag versprach perfekt zu werden: in der Schule ein Test, zu Hause Ruhe und Freiheit.

Doch pünktlich um zwölf hörte man, wie die Eingangstür geöffnet wurde. Das Mädchen drückte sofort auf Pause, ihr Herz schlug bis zum Hals. Das konnte nicht die Mutter sein — die ruft immer vorher an und kommt nie so früh zurück.

Um herauszufinden, was los war, schaute das Mädchen vorsichtig in den Flur. Auf der Schwelle stand die Schwester ihres Vaters — eine strenge, kalte Frau, der sie nie richtig vertraut hatte. Doch jetzt wirkte die Tante ganz anders: angespannt, nervös, als würde sie etwas heimlich verbergen.

Das Seltsamste — woher hatte sie die Schlüssel? Niemand hatte ihr je eine Kopie gegeben.

Die Tante sah sich suchend um, prüfte die Zimmer, als hätte sie Angst, jemanden zu überraschen. Als sie sicher war, dass die Wohnung leer war, nahm sie die Mantel der Mutter von der Garderobe und steckte mit einer schnellen, beinahe hastigen Bewegung etwas in die Innentasche. Dann zog sie ihr Handy und flüsterte leise:

— Hallo… ja, ich bin’s. Habe alles gemacht wie du gesagt hast. Abends kannst du mit der Polizei kommen, ja ja… Ich geh jetzt. Verstanden. Glückwunsch an uns. Diese Idiotin wird niemals etwas kapieren.

Das Mädchen fröstelte. Die Tante sprach über ihre Mutter. Und offenbar plante sie etwas Schreckliches.

Die Frau verließ die Wohnung genauso leise wie sie gekommen war. Die Tür fiel ins Schloss. Der Flur verstummte.

Das Mädchen lief zum Mantel, steckte zitternd die Hand in die Tasche und zog etwas heraus, das sie schockierte. In der Tasche lag ein kleines, fest verschlossenes Päckchen mit etwas Verdächtigem darin. Sie wusste nicht, was genau es war, aber sie war sicher: Darum würde abends die Polizei „kommen“ und „gratulieren“.

Wollten Tante und der leibliche Vater, von dem die Mutter geschieden war, sie hereinlegen? Hatten sie ein Päckchen mit verbotenen Substanzen in die Tasche der Mutter gesteckt, und wenn die Polizei käme und es fände, würde man der Mutter das Sorgerecht entziehen? Noch schlimmer, man könnte die Mutter ins Gefängnis werfen.

Es blieb keine Zeit zu überlegen. Das Mädchen griff nach dem Päckchen, zog ihre Schuhe an und rannte aus der Wohnung; wenige Minuten später warf sie es in einen Müllcontainer, weit weg vom Haus, hinter zwei Hinterhöfe.

Abends kam tatsächlich die Polizei. Das Mädchen stand neben ihrer Mutter und versuchte, nicht zu zittern, während die Beamten die Wohnung durchsuchen. Sie fanden nichts.

Als die Polizei abgefahren war, erzählte das Mädchen endlich alles: von der Tante, dem Anruf, dem Päckchen, dem, was sie gehört hatte.

Die Mutter schwieg lange, saß am Sofa-Eck. Dann umarmte sie ihre Tochter so fest, als hätte sie Angst, sie loszulassen. Am nächsten Tag erstattete ausgerechnet die Mutter Anzeige — gegen die Tante und den Ex-Mann.

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