Ein junger Mann träumte schon lange von einer richtigen Jagd. Er arbeitete ohne freie Tage, legte Geld für Ausrüstung zurück, las Artikel, schaute Videos — und stellte sich vor, wie er eines Tages in der Stille des Waldes hinter einem Baum lauern und endlich seine Beute erlegen würde.
Eines Morgens packte er alles Nötige, legte sein Gewehr in den Pickup und fuhr in einen dichten Wald, voller herbstlicher Düfte und Rascheln.
Die ersten Stunden blieben ergebnislos. Kein Tier, keine Bewegung zwischen den Bäumen. Er begann zu denken, der Tag sei verloren oder er zu unerfahren, als plötzlich zwei Silhouetten direkt vor ihm vorbeischossen — ein Hirsch und ein kleines Rehkitz.
Das Herz des Jägers schlug schneller. Er hob langsam das Gewehr, zielte und hielt den Atem an.

Peng.
Der Schuss fiel, doch die Kugel ging daneben. Die scheuen Tiere verschwanden augenblicklich im Unterholz.
Verzweifelt und müde streifte der Mann noch stundenlang durch den Wald, aber ohne Erfolg. Die Beine schmerzten, der Magen knurrte, der Kopf begann vor Erschöpfung zu schwirren.
Er setzte sich gegen eine mächtige Eiche, lehnte das Gewehr an den Stamm… und schlief ein, ohne es zu merken.
Er wusste nicht, dass man ihn beobachtete. Aus den Büschen heraus verfolgte das kleine Rehkitz, das er am Morgen verfehlt hatte, jede seiner Bewegungen.
Das Kitz wartete. Als es sah, dass der Mann tief schlief, kam es vorsichtig hervor. Die feinen Beine zitterten, doch die Neugier siegte über die Angst.

Es schlich näher an den Schläfer heran, schnupperte und streckte sich bis wenige Zentimeter an dessen Gesicht, als wolle es prüfen, ob er noch atmete.
Dann geschah etwas, das dem Mann das Blut in den Adern gefrieren ließ.
Das Kitz entdeckte das Gewehr, das am Baum lehnte. Eine Weile starrte es das Objekt an… dann tat es etwas, das den Mann später in blankes Entsetzen stürzen sollte.
Vorsichtig packte es den Riemen des Gewehrs mit den Zähnen, zog — einmal… zweimal… und als das Gewehr nachgab, drehte es sich um und schleifte die Waffe in Richtung des dichten Gehölzes.
Der Riemen schabte über das trockene Laub, und die schlanken Beine bewegten sich überraschend sicher und schnell.
Als der Mann erwachte, war das Erste, was er sah, die kahle Stelle neben dem Baum. Sein Gewehr war verschwunden.
Zuerst dachte er an Diebe. Dann daran, dass das Gewehr vielleicht heruntergefallen und weggerollt sei.

Doch je länger er suchte, desto kälter wurde ihm.
Das Gewehr war spurlos verschwunden. Tief im Wald stand das kleine Rehkitz neben der Waffe und, so berichten Förster, schleppte sie später in einen alten Bau zwischen den Wurzeln der Eiche — dorthin, wo Menschen sicher nicht nachschauen würden.
Der Mann verstand nie, wohin es verschwunden war. Das kleine Rehkitz, das er beinahe getötet hätte, schien Rache genommen zu haben.
Seit jenem Tag jagte der Mann nie wieder.







