Am Abend brachte Emma den Müll hinaus. Der Hof war gewohnt — still, grau, fast leblos. Neben den Müllcontainern standen eine alte Bank und mehrere Müllsäcke.
Plötzlich fuhr ein kleiner Lastwagen an die Müllstelle. Zwei Jungen stiegen aus der Kabine. Sie luden schnell einen abgenutzten Sessel aus, ohne sich auch nur umzusehen, und fuhren sofort wieder weg.
Emma wurde misstrauisch und ging näher heran.
Der Sessel sah alt aus: der Bezug war abgenutzt, die Armlehne zerrissen, aber die Konstruktion selbst war stabil, das Gestell intakt.
„Seltsam … warum sollte man so etwas wegwerfen?“ dachte sie. „Mit ein wenig Mühe wäre er wie neu.“

Sie stand noch ein paar Minuten reglos da, als würde sie ihre Entscheidung abwägen, und zog dann entschlossen den Sessel zum Hauseingang. Mit Mühe schleppte sie ihn in die Wohnung.
— Bist du ernsthaft? fragte ihr Mann Daniel überrascht. — Sammeln wir jetzt Möbel von der Straße auf?
— Schau ihn dir genau an, antwortete Emma ruhig. — Das Gestell ist stabil. Wir erneuern den Bezug, und dann wird das ein hervorragender Sessel. Du wirst später gar nicht mehr aufstehen wollen.
Daniel schüttelte den Kopf, konnte sich aber ein Lächeln nicht verkneifen:
— Na gut … wenn du ihn schon mitgebracht hast, probieren wir es. Aber wenn da Kakerlaken drin sind, bringe ich ihn sofort wieder runter.
Sie stellten den Sessel ins Zimmer. Daniel nahm das Werkzeug und begann vorsichtig, den alten Stoff zu entfernen. Währenddessen holte Emma einen festen, hellen Stoff und Garn heraus und stellte die Nähmaschine auf den Tisch.
— Wer um Himmels willen hat das gemacht? murmelte Daniel und zog die Klammern heraus. — Das ist bombenfest festgeklebt, aber schlampig gemacht. Ganz sicher kein Fachmann.
Er entfernte den Bezug von der Rückenlehne und ging zur Sitzfläche über. Als sich der Stoff fast gelöst hatte, erstarrte er plötzlich.
— Emma … komm her. Schnell.

In seiner Stimme lag etwas Beunruhigendes.
Emma kam näher und beugte sich über den Sessel. Was sie darin sahen, ließ sie erstarren.
Daniel schob die Polsterung zur Seite — und darin lag ein Beutel. Dann ein zweiter. Und ein dritter.
Alle waren mit ordentlich gebündelten Hundertdollarscheinen gefüllt.
Für einen Moment herrschte im Zimmer gespenstische Stille.
Emma und Daniel sahen sich schweigend an.
— Woher kommt das?.. fragte sie leise.
Daniel schluckte.
— Wenn der Sessel weggeworfen wurde … dann wurde er offenbar von niemandem mehr gebraucht. Dann … wusste derjenige, der ihn entsorgt hat, nichts von dem Geld. Oder …
Er sprach den Satz nicht zu Ende.
— Oder es sind Beweismittel von jemandem, fügte Emma leise hinzu. — Vielleicht … hängt das mit einem Verbrechen zusammen.
Die Stille wurde schwer, fast erdrückend.
— Was sollen wir tun?.. Die Polizei rufen? fragte sie.
Daniel fuhr sich durch die Haare und blickte wieder auf das Geld.
— Oder … sagte er langsam, wir kaufen Tickets und fahren einfach in den Urlaub?
Sie standen mitten im Zimmer.
Und zu ihren Füßen lag etwas, das ihr Leben in einem Augenblick verändern … oder zerstören konnte.







