Morgens ging ich in den Garten — einfach nur, um die Blumen zu gießen und nachzusehen, ob die Katzen wie immer den Müll verteilt hatten. Doch kaum hatte ich das Gartentor geöffnet, umhüllte mich ein entsetzlicher Geruch. So stark, dass sich meine Brust zusammenzog und ich einen metallischen Geschmack im Mund bekam.
Ich machte ein paar Schritte — und erstarrte. Auf dem Boden, neben dem Blumenbeet, lag etwas. Schleimig. Rötlich. Es sah aus wie ein auf links gedrehtes Lebewesen. Von ihm ging der Geruch verwesenden Fleisches aus, als hätte man irgendwo in der Nähe ein totes Tier versteckt.

Unwillkürlich trat ich zurück. Mein Herz begann heftig zu klopfen, und die schrecklichsten Gedanken schossen mir durch den Kopf. Was war das? Eine Larve? Ein seltsames Tier? Die Überreste irgendeines Wesens? Oder vielleicht sogar etwas Außerirdisches?
Ich verstand nichts. Vor mir lag dieses rote, glitschige „Wesen“ mit seinem unangenehmen Geruch, und je länger ich es ansah, desto stärker wurde das Gefühl, dass in meinem Garten etwas Furchtbares aufgetaucht war. Ich holte mein Handy heraus, machte ein Foto und ging schnell ein Stück zurück, wobei ich versuchte, nicht zu tief zu atmen.

Dann begann ich, im Internet nach Antworten zu suchen. Ich tippte ein: „rot, schleimig, riecht nach Verwesung“. Und schon das erste Ergebnis ließ mir das Blut in den Adern gefrieren. Es war Anthurus archeri, auch bekannt als „Teufelsfinger“.
Es stellte sich heraus, dass es sich nicht um ein Tier und nicht um die Überreste eines unbekannten Wesens handelte, sondern um einen Pilz. Sehr selten und unglaublich unheimlich anzusehen. Er stammt aus Australien und Tasmanien, hat sich aber im Laufe der Zeit in verschiedenen Ländern verbreitet.
Zuerst sieht dieser Pilz wie ein weißes Ei aus, und dann wachsen daraus rote „Tentakel“, die wie Finger, Krallen oder Pfoten eines Monsters wirken. Das Unangenehmste ist, dass diese Tentakel mit Schleim bedeckt sind und nach Aas riechen. So lockt der Pilz Fliegen an, die anschließend seine Sporen verbreiten.

Menschen, die ihn zum ersten Mal sehen, denken oft, sie hätten etwas Totes, Außerirdisches oder Gefährliches gefunden. Manche rufen sogar die Polizei oder den Notdienst. In Wirklichkeit ist es aber nur ein Pilz. Lebendig. Seltsam. Und vielleicht eines der furchterregendsten Geschenke der Natur.
Seitdem gehe ich jeden Tag vorsichtig an diesem Blumenbeet vorbei. Ich gieße dort die Blumen nicht mehr. Sollen sie eben wachsen. Die „Teufelsfinger“ lässt man besser in Ruhe.







