Meine sechsjährige Tochter freundete sich im Park mit einem mürrischen alten Mann an… Und dann fiel ihm ein altes Foto aus der Tasche, und ich erstarrte.
Nachdem wir in die Maple Street gezogen waren, wünschte ich mir nur eines: einen ruhigen Neuanfang für mich und meine sechsjährige Tochter Sophie.
Aber jeden Morgen sah ich im Park immer denselben alten Mann. Er saß punkt neun auf der Holzbank, immer allein, immer mit zwei Kaffeebechern.
Die Nachbarin warnte mich sofort:

— Halt deine Tochter von Walter fern. Er ist seltsam.
Aber Sophie war viel zu neugierig.
Eines Tages rannte sie zu ihm und fragte:
— Warum haben Sie immer zwei Kaffee?
Ich erschrak und wollte sie wegziehen, doch der alte Mann lächelte plötzlich sanft.
— Weil meine Frau nie gern allein Kaffee getrunken hat, sagte er leise. — Und jetzt ist sie nicht mehr da.
Von diesem Tag an setzte sich Sophie zu ihm. Sie fütterten Vögel, zeichneten mit Kreide, lachten. Und ich sah, wie dieser verschlossene, mürrische Mann nach und nach wieder zum Leben erwachte.
Doch eines Tages fiel ihm ein altes Foto aus der Tasche.
Ich hob es auf — und mir stockte der Atem.
Auf dem Bild war ein kleines Mädchen mit blonden Locken und einem Lächeln, das dem meiner Sophie fast genau entsprach.
— Woher haben Sie ein Foto meiner Tochter? — flüsterte ich und spürte, wie Panik in mir aufstieg.
Walter wurde blass.

— Das ist nicht Sophie…
— Dann wer ist es?!
Mit zitternden Händen nahm er das Foto und sagte leise:
— Sie hieß Lily. Das war meine Tochter.
Es stellte sich heraus, dass vor dreißig Jahren seine Frau und seine kleine Tochter bei einem Unfall gestorben waren. An diesem Tag hatten sie genau in diesem Park auf ihn gewartet. Er kam zu spät mit dem Kaffee, und sie fuhren los, um ihn zu suchen.
Seitdem brachte Walter jeden Tag zwei Becher mit — einen für sich, einen für seine Frau. Das war seine Strafe.
Und Sophie war die Erste, die sich zu ihm setzte und seine Einsamkeit durchbrach.
Ich war gerade dabei, diesen gebrochenen Mann zu umarmen, als meine Schwester Claire auftauchte. Sie sah alles auf ihre eigene Weise.
— Ich hab dir doch gesagt, dass er gefährlich ist! — schrie sie. — Ich habe schon die Polizei gerufen!
Walter hörte das, wurde bleich und verschwand.
Auf der Bank blieb nur ein unberührter Kaffeebecher zurück.
Und da begriff ich: Wenn wir ihn jetzt nicht finden, würde er wieder denken, dass er es nicht verdient, unter Menschen zu sein.
Ich griff nach Sophies Hand.
— Wir gehen ihn suchen.

Wir fanden Walter bei ihm zu Hause. Vor der Tür stand bereits ein Koffer.
— Ich bringe euch nur Probleme, flüsterte er.
Sophie rannte zu ihm und umarmte ihn an den Beinen.
— Opa aus dem Park, du darfst nicht gehen. Wer bringt mir dann Schach bei?
Er weinte.
Und ich sagte:
— Du bist nicht mehr allein, Walter. Jetzt gehörst du zu unserer Familie.
Im folgenden Frühling saß er wieder auf seiner Bank. Nur standen diesmal drei Kaffeebecher neben ihm.
Einer für ihn.
Einer für Sophie.
Und einer für mich.







